Handlungsorientierte umweltmedizinische Praxisleitlinie

Zur Information

Im Internet und insbes. MCS-Patientenforen wird die Leitlinie heiß diskutiert. Die Diskussion nimmt zunehmend unsachliche Ausmaße an.

Wir möchten deshalb darauf hinweisen, dass es sich nicht um eine Leitlinie zur MCS handelt. Wer ernsthaft an Informationen zur umweltmedizinischen Leitlinie interessiert ist oder Rückfragen zu unklaren Abschnitten der Leitlinie hat, kann uns gern eine email schreiben, wir werden uns bemühen, sie zügig zu beantworten (anke.bauer(at)diako.de oder dbu(at)dbu-online.de).

Wir bitten um Verständnis dafür, dass polemische oder tendenziöse Emails nicht beantwortet werden. Gleichfalls werden wir uns an derartigen Diskussionen nicht beteiligen.
An einem sachlichen Austausch mit Betroffenen, Selbsthilfegruppen, Ärzten und Wissenschaftlern sind wir dagegen interessiert.

Download: Unsere Publikationsliste zum Thema Umweltmedizin - MCS.PDF

DIAKO Nordfriesland und Fachverband legen Praxisleitlinie vor

Die DIAKO Nordfriesland ist eine der wenigen Einrichtungen in Deutschland, die umweltmedizinische Patienten auch stationär aufnimmt und über 20 Jahre therapeutische Erfahrung vorweisen kann.

Chefarzt Dr. Christoph Mai weiß um die Probleme des jungen Fachgebietes: "Seit der Geburt der Umweltmedizin in den 80er Jahren wird in der Wissenschaft über die Ursachen der Symptome umweltmedizinischer Patienten kontrovers diskutiert. Dabei zeigt die wissenschaftliche Studienlage, dass eine Vielzahl von biologischen, entwicklungspsychologischen und aktuellen Belastungsfaktoren die Entstehung und den Verlauf der Erkrankungen beeinflusst. Ohne wissenschaftlich eindeutigen Nachweis, dass zum Beispiel Schadstoffe in Innenräumen krank machen können, werden die Beschwerden der Betroffenen oft als ausschließlich psychische Störung interpretiert", so der Experte.

Aufgrund der Häufigkeit umweltmedizinischer Erkrankungen, des hohen Leidensdrucks, vielfältiger Funktionsbeeinträchtigungen und folglich der erheblichen sozialmedizinischen Bedeutung sind viel größere Forschungsanstrengungen und verbesserte Behandlungsmöglichkeiten erforderlich.

Einigkeit auf Seiten der Wissenschaft ist nicht in Sicht

Vor diesem Hintergrund haben sich Dr. Christoph Mai und weitere Mitarbeiter der DIAKO Nordfriesland mit umweltmedizinischen Fach- und Berufsverbänden in einer interdisziplinären Autorengruppe zusammengefunden und die "Handlungsorientierte umweltmedizinische Praxisleitlinie" erarbeitet.


"Eine Einigkeit auf Seiten der Wissenschaft ist nicht in Sicht, die Patienten gibt es trotzdem", erklärt Dr. Frank Bartram, Vorsitzender des Deutschen Berufsverbandes der Umweltmediziner (dbu), die Notwendigkeit für die Leitlinie. „Auf etwa 5 Prozent der Bevölkerung in der EU wird die Häufigkeit umweltmedizinischer Erkrankungen geschätzt. Allein einer von 200 Mitbürgern ist sogar von einer so ausgeprägten Chemikalienempfindlichkeit betroffen, dass er täglich Symptome hat. Das zeigen Umfragen und Studien“, erläutert Bartram.

Die europaweit einzigartige Leitlinie orientiere sich an der Realität in der Praxis der niedergelassenen Kollegen, so Dr. Anke Bauer, wissenschaftliche Mitarbeiterin der DIAKO Nordfriesland und Co-Autorin. Im Kern wird empfohlen, sich bei umweltmedizinischen Verdachtsfällen nicht allein auf Messwerte zu verlassen, vielmehr müsse eine individuell angepasste Bewertung und Diagnose anhand der gesamten Krankengeschichte, Laborbefunde und des Verlaufes durchgeführt werden. Die Leitlinie soll Grundlage für die Arbeit der in Praxen, Ambulanzen und Kliniken umweltmedizinisch tätigen Ärzte sein.

Diagnose und Behandlung von Mehrfacherkrankungen

Die DIAKO Nordfriesland ist in ihrer psychosomatischen Abteilung auf die Diagnose und Behandlung von Mehrfacherkrankungen spezialisiert. Im Bereich stationärer Umweltmedizin werden Patienten aufgenommen, die neben einer umweltmedizinischen Erkrankung seelische Störungen, wie etwa Depressionen entwickelt haben. Umweltmedizinische Patienten ohne besondere Begleiterkrankungen können sich an niedergelassene Umweltmediziner wenden (Liste unter: www.dbu-online.de).

Downloads

Handlungsorientierte umweltmedizinische Praxisleitlinie

Deutscher Berufsverband der Umweltmediziner e.V. (Hrsg.) Berlin, November 2011. Autoren: Bartram F, Bauer A, v. Baehr V, Bückendorf C-H, Donate H-P, Engelhardt V, Huber W, Klehmet M, Müller K, Ohnsorge P, Mai C, Träder J-M.

Link zum dbu: www.dbu-online.de

Handlungsorientierte umweltmedizinische Praxisleitlinie – Langfassung (PDF)

Handlungsorientierte umweltmedizinische Praxisleitlinie – Merkblatt (PDF)

Bauer A: Die Handlungsorientierte umweltmedizinische Praxisleitlinie. Vortrag auf dem Umweltmedizinisches Kompaktseminar Oslo-Kiel 24.-26.2.12 (2012) – PDF

Bartram F, Bauer A, v. Baehr V, Bückendorf C-H, Donate H-P, Engelhardt V, Huber W, Klehmet M, Müller K, Ohnsorge P, Mai C, Träder J-M.: Die Handlungsorientierte umweltmedizinische Praxisleitlinie. Umwelt Medizin Gesellschaft 25: 1/2012:27-34

Multiple Chemical Sensitivity (MCS)

"Gesundheitsbezogene und soziale Parameter bei chronischen umweltmedizinischen Erkrankungen und Multiple Chemical Sensitivity (MCS)"

In den Jahren 2001 bis 2004 wurde an der DIAKO Nordfriesland ein umweltmedizinisches Patientenregister mit Verlaufkontrolle geführt.

Es wurden standardisiert Daten anhand eines Arztfragebogens (allgemeine Daten, Exposition, Therapie, Diagnosen, Komorbidität und Vulnerabilität) und anhand eines Patientenfragebogens erhoben.

Der Patientenfragebogen enthielt neben allgemeinen Fragen die folgenden standardisierten Instrumente:

  1. Das "Quick Environmental Exposure Sensitivity Inventory" (= QEESI: Sensitivität und ihre Auswirkungen auf die Gesundheit und die Lebensqualität)
  2. Der "General Health Questionnaire" (GHQ= Aktuelle Depressivität und Ängstlichkeit)
  3. Die Symptomliste des Neurotox-Fragebogens (SL= Schleimhautreizungen, Infektanfälligkeit, neuropsychologische und neurologische Symptome)
  4. Das Nottingham Health Profile (NHP): Gesundheitliche Lebensqualität


Bisher wurden Ergebnisse zu folgenden Themen publiziert:

  • Untersuchung über die Prädiktoren von Krankheitsentstehung und Langzeitverlauf bei ambulanten und stationären Patienten der Umweltmedizin
  • Risikofaktoren für chemische Sensitivität und MCS
  • Einfluss der Erkrankungsdauer auf gesundheitsbezogene und soziale Parameter bei Multiple Chemical Sensitivity (MCS)
  • Schweregrad und Versorgung chronischer umweltmedizinischer Erkrankungen.
  • Patienten mit multiplen Chemikalienintoleranzen – Umweltmedizin oder Psychosomatik?
  • Langzeit-Verlaufskontrolle bei umweltmedizinischen Patienten einer Fachklinik – unter der besonderen Berücksichtigung der Patienten mit chemischen Intoleranzen bzw. Multiple Chemical Sensitivity (MCS).
  • Therapeutische Optionen bei Patienten mit Multiple Chemical Sensitivity (MCS) und anderen chronischen umweltmedizinischen Erkrankungen.


Unsere Publikationsliste (PDF)


Ansprechpartnerin:

Dr. rer.nat. Anke Bauer
eMail: anke.bauer(at)diako.de