Co-Therapeut Pferd - wie Pferde seelisch kranken Menschen helfen

Hippotherapie - ein Angebot für die Patienten der Abteilung für Allgemeinpsychiatrie

Immer mittwochs ist es soweit, sechs Patienten der Fachkliniken Nordfriesland, Abteilung für Allgemeinpsychiatrie, machen sich bereit für einen Ausflug ins idyllische Haselund bei Viöl. Dort findet die Hippotherapie statt, eine Therapieeinheit im Grünen mit sechs Pferden und Siglinde Bender, Ärztin und ausgebildete Therapeutin für "Tiergestützte Therapie", so der Fachbegriff. Das bei den Patienten äußerst beliebte Angebot hat allerdings einen tieferen Sinn als reine Freizeitbeschäftigung.

"Die Wirkung der Tiergestützten Therapie ist je nach Diagnose ganz individuell. Sie kann bspw. depressiven Menschen helfen, Ängste zu überwinden, Energie und Mut zu gewinnen und Lebensfreude und Hoffnung geben", begeistert sich die Therapeutin Siglinde Bender, die bis Anfang des Jahres bei den Fachkliniken Nordfriesland als Ärztin arbeitete und daher viel Erfahrung mit seelisch kranken Menschen mitbringt.

 "Bei Patienten mit Traumfolgestörungen ist es eher die Stabilisierung im "Hier und Jetzt", die von Bedeutung ist", erklärt die Expertin weiter. Gute Erfahrungen hat sie auch mit Menschen mit Diagnosen wie Angst- und Panikstörungen, Persönlichkeitsstörungen (bspw. Borderline), Traumafolgestörungen oder Burnout gemacht.

"In dem direkten Umgang mit dem Tier können die Betroffenen üben, mit Konsequenz, Klarheit und Verantwortung zu handeln, selbst Sicherheit und Ruhe auszustrahlen oder risikofreien Körperkontakt aufzunehmen", erläutert die Ärztin die positiven Auswirkungen der Therapie. Das Pferd melde jede Art von Emotion, wie Unruhe, Nervosität oder Hektik sofort und ohne jedwede Kritik zurück, so dass die Patienten mit der Zeit ihre Emotionen reflektieren lernten und üben könnten, besser damit umzugehen.

"Oft höre ich "Nach der Hippotherapie habe ich wieder Energie wie schon lange nicht mehr"", zitiert Bender Patienten, die unter Depressionen leiden. Sie stellt uns Shania vor, eine elfjährige schwarz-weiße Stute. "Sie strahlt so viel Ruhe aus. Schon wenn man sie streichelt, wird man selbst ganz ruhig", dies probieren wir aus und können es bestätigen.

Die Tiergestützte Therapie findet in enger Absprache mit den behandelnden Ärzten der Fachkliniken Nordfriesland statt. Im Vordergrund der Hippotherapie stehen Kontaktaufnahme zum Pferd sowie Streicheln, Pflegen und Füttern des Tieres. Im Anschluss macht die Gruppe Spaziergänge mit den Pferden. Reiten oder Reitunterricht findet im Rahmen dieser Gruppen mit seelisch kranken Menschen nicht statt. Die Gruppen werden von Siglinde Bender geleitet und von einem Tierpfleger unterstützt.

 

Nähere Informationen zur  "Tiergestützten Therapie".

 

Bildunterschrift 1: "Im direkten Umgang mit dem Tier kann man üben, mit Konsequenz, Klarheit und Verantwortung zu handeln und selbst Sicherheit und Ruhe auszustrahlen", Siglinde Bender, Ärztin und ausgebildete Therapeutin für "Tiergestützte Therapie" auf ihrem Hof in Haselund.

Bildunterschrift 2-3: "Shania strahlt so viel Ruhe aus. Schon wenn man sie streichelt, wird man selbst ganz ruhig", stellt uns Siglinde Bender eines ihrer Therapie-Pferde vor.