Neue Broschüre für Glücksspieler und ihre Angehörigen

Bernd Mukian fasst wertvolle Hinweise und Informationen zusammen

Bernd Mukian legt eine neue Informationsbroschüre für Glücksspieler vor.

"Glücksspielen, ein harmloses Freizeitvergnügen oder doch schon ein Problem? Wann bin ich spielsüchtig? Woran erkenne ich das? Was kann ich als Betroffener tun, was als Angehöriger? Was, wenn die Schulden sich aufhäufen, wenn der oder die Betroffene sich wieder Geld leiht, lügt und die Ausflüchte überhand nehmen? Welche Hilfsangebote gibt es? Wie kann ich sie wahrnehmen“?

Das sind die ersten Fragen, die sich Betroffene und ihre Angehörigen stellen, weiß Bernd Mukian, Sozialtherapeut im Suchthilfezentrum Schleswig. Seit 1999 ist die Glücksspielsucht, das „pathologische Spielen", sein Schwerpunkt.

Nun hat der Sozialtherapeut seine Kenntnisse und Erfahrungen in einer Broschüre als Wegweiser für spielsüchtige Menschen und ihre Angehörigen zusammengefasst. "Viele Menschen möchten sich informieren, bevor sie eine Beratungsstelle aufsuchen", weiß Mukian. "Auch wurde die Erfahrung gemacht, dass sich Informationen fördernd und vertiefend auf Krankheitseinsicht und Veränderungsbereitschaft auswirken können."

Die Broschüre beantwortet daher auf 88 Seiten leicht verständlich die dringendsten Fragen und gibt Angehörigen wertvolle Hinweise im Umgang mit spielsüchtigen Menschen. Neben Erläuterungen zu verschiedenen Spielformen mit Suchtpotenzial, wie bspw. klassisches Roulette, Automatenspiel oder Pokern im Internet, gibt es auch einen Kurzfragebogen zur Selbstkontrolle. 

Die Fertigstellung der Broschüre wurde unterstützt vom Ministerium für Soziales, Gesundheit, Familie und Gleichstellung des ‚Landes Schleswig-Holstein und der Spielbank Schleswig-Holstein gGmbH und ist in ihrer ersten Auflage kostenlos (Porto unfrei) im Suchthilfezentrum Schleswig (s.u.) und anderen Beratungsstellen erhältlich.

Hier finden Sie ein PDF der Broschüre zum Download:

Informationsbroschuere für Gluecksspieler.pdf (2MB).

 

„Glücksspielsucht erweist sich zunehmend als ernstzunehmende Suchterkrankung“, erklärt Mukian. Dieser Tatsache wurde auch im neu veröffentlichen DSM-5 (Diagnostisches und Statistisches Handbuch Psychischer Störungen, fünfte Auflage, bislang nur in englischer Sprache erschienen) Rechnung getragen, indem das „gestörte Glücksspielen“ („Gambling Disorder“) als erste stoffungebundene Sucht zusammen mit den substanzgebundenen Störungen, wie Alkohol- und Drogenabhängigkeit, in die gemeinsame Kategorie „Substance-Related and Addictive Disorders“ aufgenommen wurde.

„Leider“, so Mukian, „finden die Betroffenen oft erst sehr spät den Weg in eine Beratungsstelle oder Therapie". Ein Ziel der Broschüre ist daher, über Information Schwellenängste zu nehmen. Neben Fachberatungsstellen gibt es in Schleswig-Holstein auch ambulante und stationäre Therapieangebote sowie Selbsthilfegruppen für Glücksspieler und Angehörige, deren Adressen in dem Heft aufgeführt sind.

Die Zahl der süchtigen Glücksspieler steigt seit Jahren an. Nach Ergebnissen aktueller Studien kann davon ausgegangen werden, dass in Schleswig-Holstein ca. 6400 Personen glücksspielsüchtig sind, dazu kämen noch ca. 5700 Personen, die an der Grenze zu abhängigem Verhalten stehen. Diese Zahlen verwundern nicht, denn Schleswig-Holstein verfügt in Flensburg, Kiel, Lübeck, Schenefeld und Sylt über insgesamt 5 Spielbanken.

Die größte Bedeutung misst Mukian aber dem Spiel an den leicht verfügbaren Geldspielautomaten bei. So weist Schleswig-Holstein im 2012 erhobenen bundesweiten Vergleich - bezogen auf die Einwohnerzahl pro Spielhallenstandort - die höchste Dichte auf. Bezogen auf die Relationen „Einwohnerzahl pro Spielhallenkonzession“ und „Einwohnerzahl pro Spielhallengerät“ ist Schleswig-Holstein ebenfalls überdurchschnittlich belastet und hat nach Rheinland-Pfalz die zweitgrößte Dichte (Trümper/Heimann 2012). 

 

Ansprechpartner (s. Foto):

Bernd Mukian
Suchthilfezentrum Schleswig, Suadicanistr. 45, 24837 Schleswig
Tel. 04621 48610, eMail: bernd.mukian(at)fklnf.de; www.suchthilfezentrum-sl.de.

Offene Sprechstunde für Spieler und Angehörige in Schleswig:
Montags von 17.30 bis 18.30 Uhr und freitags von 9 bis 10 Uhr.