"Die Klinik wird durch das Budget befähigt, die zur Verfügung stehenden Ressourcen da einzusetzen, wo es therapeutisch für den Betroffenen am sinnvollsten ist."
Dr. Christoph Mai, Ärztlicher Direktor und Lars Petersen, Pflegedienstleitung.

Das Regionale Psychiatriebudget

Gute Noten für das Psychiatrie-Budget in Nordfriesland

Therapie ohne bürokratische Hürden

Wissenschaftler der Uni Dresden prüfen die Qualität der Patientenversorgung der Fachklinik für Psychiatrie und Psychosomatik im Vergleich mit anderen Kliniken.

Anders als andere psychiatrische Kliniken in Deutschland ist die DIAKO Fachklinik eine der wenigen Modellkliniken, die mit einem „Regionalen Psychiatrie-Budget (RPB)“ arbeitet. Die Dresdner Wissenschaftler nahmen bei ihrer Auswertung im Auftrag der Krankenkassen den Zeitraum von 2013 bis 2015 ins Visier.

Neben Aspekten wie Behandlungstagen, Arbeitsunfähigkeit und Wiederaufnahmen untersuchten die Wissenschafler auch die Diagnosen der Patienten, Medikamentenverschreibungen und vieles mehr. Die Daten der DIAKO Fachklinik wurden mit den Daten von Kliniken verglichen, die nicht mit einem Psychiatrie-Budget arbeiten, sondern fallbezogen abrechnen. 

Eine kurze Zusammenfassung der Ergebnisse erhalten Sie hier: "Gute Noten für das Psychiatriebudget.pdf"

Den vollständigen Forschungsbericht gibt es hier: "EVA64-Zwischenbericht Fachklinik DIAKO Nordfriesland.pdf"

Referenzen und Links: siehe unten.

Seelisch kranke Menschen benötigen besondere Therapieangebote und einen besonders niedrigschwelligen Zugang zu einer geeigneten Therapie und Nachsorge. Im Normalfall bestehen jedoch Hürden zwischen verschiedenen Behandlungsschritten: so wird unterschieden zwischen einer Krankenhausbehandlung, der tagesklinischen Behandlung, der ambulanten Behandlung und der nachsorgenden Eingliederungshilfe.

Dahinter stehen häufig jeweils unterschiedliche Anbieter, Gesetze und Finanzierungssysteme. Dazwischen gibt es deswegen neue Überweisungen und Aufnahmen, weitere Anträge und andere bürokratische Hürden oder Wartelisten. Ein einfacher Wechsel oder gar eine „therapeutische Konstanz“ ist nicht vorgesehen. Im Fachjargon werden diese Hürden als „Sektorengrenzen“ bezeichnet.

Diese Sektorengrenzen sind nicht nur ein Nachteil für eine nachhaltig erfolgreiche Therapie der Betroffenen, sie verursachen auch hohe Kosten. So kommt es etwa zu einem so genannten „Drehtür-Effekt“ psychisch kranker Menschen, die schon kurz nach einem Krankenhausaufenthalt erneut stationär aufgenommen werden müssen, weil sie zeitnah keine geeignete Nachsorge erhalten haben und eine erneute Krise durchmachen.

Vereinfacht gesagt, erhält eine psychiatrische Klinik einer Region im RPB das Geld für erbrachte Leistung nicht mehr für im Detail abgerechnete Leistung, sondern als Budget. Innerhalb des Budgets kann die Klinik nun selbst entscheiden, ob ein Patient etwa ambulant, tagesklinisch oder stationär betreut wird. 

Die Klinik kann im RPB tagesklinische und ambulante Angebote ausweiten und auch die aufsuchende Arbeit kürzlich entlassener Patienten kann so finanziert werden. 
Die Klinik kann weiterhin die Patienten intensiv und nachhaltig bei der Wahl von geeigneten Nachsorgeangeboten unterstützen und bürokratische Hürden abbauen, etwa durch eine flexiblen Übergang in eine tagesklinische oder ambulante Therapieform oder auch ein betreutes Wohnangebot. Dies vermindert den Drehtür-Effekt und senkt die Anzahl der stationär zu behandelnden Patienten. 

Tatsächlich ist die stationäre Behandlung nicht nur teuer, sondern sie wird von vielen psychiatrischen Patienten als besonders belastend erlebt. Ein Verbleiben des Patienten in seinem häuslichen Umfeld, bei gleichzeitiger hochwertiger Therapieund Unterstützung, ist daher für alle von Vorteil.

Zugang der Patienten – sektorenübergreifende Koordination der Aufnahme

Die Aufnahme erfolgt nach Absprache mit unserer Belegungskoordination über die Einweisung eines niedergelassenen Arztes oder Psychologen. Auch die Ärzte aus medizinischen Versorgungszentren (MVZ), Kliniken der Region oder die Ärzte der Fachklinik, so etwa die Ambulanzärzte, können eine Einweisung ausstellen.

In der Regel erfolgt ein telefonisches Vorgespräch mit dem Patienten und / oder dem Zuweiser. Die Zentrale Aufnahme befindet in dem Klinikgebäude in Breklum. Aufgrund der häufig komplexen Mehrfacherkrankungen und je nach Art, Dauer und Schwere der Erkrankung, den Vorbefunden und den Ergebnissen der vorherigen Behandlung wird dort individuell entschieden, welche Fachabteilung für den Patienten die beste ist.

Im Notfall bzw. zur Krisenintervention sind kurzfristige Aufnahmen auf unsere Akut-Stationen möglich. Sowohl die Tageskliniken (TK) als auch die Ambulanzen (PIA) verfügen zudem über eine dezentrale Anmeldung. Vor der Aufnahme in eine der TK wird ein Vorgespräch mit dem Patienten vereinbart. In den PIA können Termine wie in einer Arztpraxis gemacht werden.

Eine weitere Möglichkeit ist die vorstationäre Aufnahme. Hier erfolgt eine medizinische Untersuchung und Diagnostik in der Fachklinik. Danach wird entschieden wie weiter verfahren wird: So kann ggf. eine ambulante oder tagesklinische Therapie empfohlen werden oder ein stationärer Aufenthalt nötig sein. Dies wird über die Zentrale Aufnahme koordiniert.

Die Aufnahme eines Patienten in den Therapieprozess folgt dabei durchgängig dem Grundsatz: so niedrigschwellig wie möglich, so viel wie nötig:

Das bedeutet, dass ambulante Angebote vor tagesklinischen Angeboten und diese vor vollstationären Angeboten bevorzugt sind.

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass die Klinik  durch das Budget befähigt wird, die zur Verfügung stehenden Ressourcen da einzusetzen, wo es therapeutisch für den Betroffenen am sinnvollsten ist:

  • es können mehr Patienten behandelt werden, dadurch gibt es weniger Wartezeiten
  • es können mehr Tageskliniken und Ambulanzen angeboten werden, dadurch gelingt es häufig, stationäre Aufenthalte zu vermeiden
  • die Tageskliniken und Ambulanzen werden "wohnortnah" verteilt in der Region angeboten (in Nordfriesland: Husum, Breklum, Niebüll), dadurch gelingt eine bessere Versorgung psychisch kranker Menschen auf den Inseln und in den Randgebieten.
  • die Arbeitszeit der therapeutischen tätigen Berufe, die durch ein "Weniger an stationären Aufenthalten" eingespart wird, kann in ein "Mehr an intensiver Therapie" eingesetzt werden.

und im Vergleich mit anderen Kliniken:

  • sind die DIAKO-Patienten weniger Tage arbeitsunfähig 
  • kommt es seltener zu Verschlechterungen des sehr häufigen Krankheitsbildes einer Depression 

Weitere Vorteile sind:
Die niedrigschwellige Sicherung der Behandlungskontinuität ist ein besonderer Vorteil der sektorenübergreifenden Arbeit. Auch nach einer stationären oder tagesklinischen Therapie und dem Übergang in die nachsorgenden Therapieformen sind die Mitglieder des Behandlungsteams, je nach individueller Indikation, in vielen Fällen weiter am therapeutischen Vorgehen beteiligt.

  • es gibt ein sektorenübergreifendes Case-Management
  • es gibt eine Bezugspflegekraft für jeden Patienten. Bezugspflege bedeutet, dass jeder Patient einen konstanten Ansprechpartner aus der Pflege während seines Aufenthaltes erhält.
  • der fachliche Austausch innerhalb aller am therapeutischen Prozess beteiligten Berufsgruppen ist durch regelmäßige Team-Konferenzen und Fall-Konferenzen gewährleistet.
  • die DIAKO Fachklinik für Psychiatrie und Psychosomatik verfügt über ein digitales gelenktes Entlass-Management. Durch die digitale Steuerung wird gewährleistet, dass das Entlassmanagement schon ab dem Zeitpunkt der Aufnahme Berücksichtigung findet und ist daher integraler und bedeutender Bestandteil der Therapie von Beginn an.
  • durch die sektorenübergreifende Arbeit im RPB sind flexible und nahtlose Übergänge etwa in eine tagesklinische oder ambulante Weiterbehandlung möglich, ohne dass der Patient sich selbst „hochschwellig“ um weiterführende Therapieoptionen kümmern muss.
  • durch die gute interne Vernetzung innerhalb des Verbundes der DIAKO Nordfriesland und der DIAKO insgesamt ist auch der nahtlose Übergang, etwa in die Rehabilitation, die Angebote der Eingliederungshilfe (EGH) oder der Pflege möglich.

Vertragspartner im RPB sind die gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) und die Breklumer Fachklinik für Psychiatrie und Psychosomatik.

Dies bedeutet, dass eine Aufnahme ganz normal mit Krankenkassenkarte und Überweisung erfolgen kann. 

Ergebnisse der begleitenden internen Evaluation 2008-2012:

Das ambulante und tagesklinische Angebot wurde gestärkt und ausgeweitet.

Die Einführung der sektorenübergreifenden Behandlung, ambulant vor teilstationär vor vollstationär, erfolgte ohne Qualitätsverlust für den Patienten: Wiederkehrerquote und Dauer bis zur Wiederaufnahme blieben konstant.

Erhöhung der Patientenzahlen: Durch die sektorenübergreifende Behandlung konnten insgesamt mehr Patienten behandelt werden: Die psychiatrische Versorgung der Menschen innerhalb Nordfrieslands wurde so verbessert (+21%).

Ländliche Regionen: Die psychiatrische Versorgung der Menschen innerhalb Nordfrieslands, die in den Randlagen wie Inseln, Halligen, Grenzregion zu Dänemark oder an den Kreisgrenzen wohnen, wurde gleichfalls verbessert (+20 bis 40%).

Demographie: Das mittlere Alter der Patienten der Fachklinik veränderte sich in den Jahren 2008 bis 2012 kaum. Betrachtet man jedoch die Altersverteilung in Altersklassen, so wird eine Verschiebung des Altersgipfels deutlich, von der Klasse der 30-44-jährigen in die Klasse der 45-64-jährigen (bessere Versorgung Älterer durch wohnortnahe Angebote).

Die Ergebnisse begleitender externer Forschungsprojekte zeigen, dass im RPB bei gleichbleibenden Resssourcen in Nordfriesland

  • insgesamt mehr Patienten behandelt wurden, bei weniger und kürzeren stationären Aufenthalten und mehr tagesklinischen und ambulanten Patienten
  • die DIAKO-Patienten weniger Tage arbeitsunfähig waren als Patienten von Vergleichskliniken 
  • die Qualität der Therapie nicht unter den kürzeren vollstationären Aufenthalten litt
  • ein „Drehtüreffekt“ oder „Ärzte-Hopping“ kaum vorkam
  • es bei den Patienten der DIAKO Fachklinik zudem seltener zu Verschlechterungen des sehr häufigen Krankheitsbildes einer Depression kam als bei Patienten von Vergleichskliniken.